soft-minimalismus oder die kammer des schreckens

soft-minimalismus oder die kammer des schreckens

Minimalismus mit Kindern, geht das eigentlich? Wir finden schon, zumindest so, wie wir es definieren. Minimalismus sind bei uns mehr als 100 Teile, vermutlich sogar mehr als 1.000 – aber jedes einzelne davon kennen und suchen, ähm, finden wir.

Minimalismus bedeutet für uns, nur Dinge um uns zu haben, die wir entweder brauchen (Schraubenzieher) oder die uns Freude bereiten (die 64. Vase). Und das gilt auch für unsere Kinder. Es gibt zwei weitere, ganz pragmatische Gründe, warum wir soft-minimalistisch leben:

1. wer weniger hat, räumt weniger auf und
2. wer weniger hat, weiß, wo alles ist

Und an Punkt 2 ist der Casus Knacktus, wenn Kinder mit im Haus leben. Kinder, die so phantasievoll spielen, dass aus einem Pappkarton und einer Suppenkelle ein Piratenschiff mit Superkanonenschleuder-extreme wird und eben dieses Schiff vom Küchen- und Essbereich in den Graben vor der Haustür wandert. Kochen wir 2 Tage später die Lieblingsssuppe der Jungs, ist die eine, geliebte, praktische und wirklich schöne Suppenkelle nicht mehr da. Vorläufig. Sie taucht irgendwann wieder auf, im wahrsten Sinne des Wortes.

Warum es trotzdem funktioniert: Weil wir akzeptiert haben, dass in einem Haus mit Kindern keine Ordnung herrscht und jeder sein eigenes System hat, Minimalismus Hin oder Her.

Auch wir haben die Bücher von Marie Kondo gelesen und ja, sie haben unser System im Haus nochmal optimiert und auch dazu geführt, dass wir das geerbte Geschirr von Schwiegermama endlich ruhigen Gewissens an die Freundin mit dem Ferienhaus an der Nordsee weitergeben konnten. Marie Kondo gibt jedem Ding im Haus einen Wert und eine Aufgabe. Ist die Aufgabe erfüllt, kann es weg. Das Beispiel mit der Postkarte ist gut zu verstehen: Wenn ich die Karte aus dem Briefkasten hole und mich über sie freue, hat sie ihren Zweck erfüllt. Eventuell darf sie auch noch eine Weile am Kühlschrank hängen. Wird sie jedoch von Kunstobjekten der Kinder oder Pfandbons überlagert, dann kann sie auch weg.

Aufgabe erfüllt, danke und tschüß.

Das Gleiche gilt für die Kinderzimmer. Haben die Jungs soooo gerne mit dem Holzkran gespielt, nimmt er jetzt aber nur noch Platz für die Lego-Welt weg, dann darf er doch jetzt auch ein anderes Kind glücklich machen, oder?

Haben die Kinderzimmer eine Größe von 11 Quadratmetern, weil das Wohnen in Ballungsräumen so unfassbar teuer ist, haben Kran und Lego zusammen auch einfach keinen Platz. Wird mit beidem gespielt, dann wandert eins von beidem für eine gewisse Zeit auf den Dachboden oder – wer einen besitzt – in den Keller.

Katrin hat in den Schlafräumen der Kinder und auch in ihrem eigenen keine Kleiderschränke. Es gibt eine „Kleiderkammer“ im Obergeschoss, die alle benutzen. Jeder hat 1 Meter Schrank. Ist der voll, muss etwas ausziehen, bevor etwas Neues einziehen kann. Annika hat sogar nur 1,5 Meter Schrank für 4 Personen (okay, und eine Kleiderstange unterm Dach). Klar, ist das manchmal zu wenig. Aber mal Hand ans Herz: Die Designer-Bluse, die so chic ist und soo günstig war im Sale damals, die nimmt nur Platz weg, weil sie nämlich gar nicht richtig passt. Also: weg damit und bitte jemand anderen glücklich machen.

Als wir mit Marie Kondo angefangen haben, haben wir mit den Schuhen der ganzen Familie begonnen. Wir hatten welche im Schuhschrank, im Technikraum, im Schuppen, in den Schränken und in der Kammer. 5 Plätze für Schuhe! Verrückt.

Also alles auf einen Haufen und mal kurz wirken lassen.

Der Berg war riesig! Huch, die Sandalen habe ich noch? Größe 33 passt den Jungs doch nicht mehr (Größe S der Mama auch nicht)! Hier war ja noch ein paar Turnschuhe, und schau mal die Absätze, trägt ja keiner mehr. Als wir fertig waren und die Freundin fragte, ob wir noch Gummistiefel in Größe 30 haben, konnten wir das sofort beantworten: „Ja, die sind in der Flohmarktkiste, kannst du gerne haben.“

Wenn Geschirr ausschließlich im Geschirrschrank steht und das Werkzeug ausschließlich im Werkzeugkoffer, dann räumt man viel schneller auf und man sucht auch weniger. Es gibt ja nur einen möglichen Platz! Das verstehen auch die Kinder. Lego zu Lego, Autos zu Autos. Die Ikea Samla Boxen erfüllen in jedem Raum ihre Dienste und jeder sieht auch ohne, dass er lesen kann, was wo reingehört.

Zahnpasta und Zahnbürsten mussten wir ein ganzen Jahr nicht neu kaufen, wir hatten genug. Und wir wussten genau wie viel. Ausmisten heißt nicht unbedingt wegwerfen, es heißt sortieren und umverteilen. Was wir nicht mehr brauchen oder doppelt haben, braucht vielleicht jemand anders. In den Müll gehört nur das, was kaputt ist und abgelaufen.

Wir haben vieles verschenkt oder bei ebay Kleinanzeigen verkauft…

.. anstatt auf den nächsten Flohmarkt zu warten und von 6 Kisten 4 wieder mit nach Hause zu bringen. Den Streuwagen brauchen wir 2x im Jahr, nämlich zum Rasendüngen. Das gleiche gilt für den Rasenkantenschneider. Wir helfen uns hier gegenseitig aus in der Nachbarschaft. Und so wird aus Minimalismus auch gleich Nachhaltigkeit. Es muss nicht jeder alles haben. Wir wissen, dass Katrin den Streuwagen hat, Annika den Kantenschneider und Angela die Saftpresse.

Wir haben jeder eine überschaubare Menge an Dingen, die wir auf unsere Schuppen, Kammern und Keller verteilen. Für die Kinder frei zugänglich und somit auch oft und regelmäßig explodiert. Ordnung herrscht nicht, sie muss immer wieder hergestellt werden. So ist das auch mit dem Minimalismus.

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